Lexikon der Heilung und Magie

Vereinfacht werden Druiden gerne als Priester der keltischen Religion dargestellt; ihre Rolle war aber wesentlich umfassender.

Die Druiden stellten eine eigene Kaste dar. Sie bildeten die intellektuelle Schicht der keltischen Gesellschaft. Sie hatten eine religiöse Funktionen, waren aber nicht nur Priester: Sie waren unter anderem Dichter, Ärzte, Astronomen, Philosophen und Magier.

Man kann der keltischen religiösen Klasse grob drei verschiedene Funktionen zuteilen, wobei die Funktionen auch übergreifend wirkten:

      die Druidi, die priesterliche Elite, Ratgeber der Fürsten, Richter und Philosophen
      die fili (Singular file), welche für die Wahrung der mündlichen Überlieferungen und Lobpreisungen und Schmählieder verantwortlich waren.
      die Vates (fälschlicherweise oft „Ovaten“, irisch „faith“), die Klasse der Seher, die hauptsächlich Mantisch-Prophetische Techniken, eventuell aber auch Astrologie ausübten.

Ausgehend von dem Bericht des stoischen Philosophen Posidonius über diesen Kult, berichtete Julius Caesar, dass die Druiden glaubten, Abkömmlinge von höheren Wesen zu sein. Berichten aus jenerZeit zufolge wurden die Funktionen der Priester, Religionslehrer und Richter von Druiden ausgeübt, wobei die höchste Macht einem höchsten Druiden übertragen wurde. Es gab drei Arten von Druiden: Propheten, Barden und Priester. Die Druiden verfügten über sehr gute Kenntnisse in der Astrologie, der Magie und über die geheimen Kräfte von Pflanzen und Tieren. Sie verehrten die Eiche und die Mistel, letztere hauptsächlich wenn sie auf Eichen gedieh, und hielten ihre Rituale gewöhnlich in Eichenwäldern ab.

Vor dreihundert Jahren vertrat der Altertumsforscher John Aubrey zum ersten Mal die Meinung, Steinkreise seien Tempel der Druiden. Seit damals wurde allgemein angenommen, Stonehenge sei von den Druiden erbaut und benutzt worden. Diese Annahme ist wahrscheinlich falsch. Alles, was wir über die Druiden wissen, wurde von Schriftstellern der Antike festgehalten – wie etwa von Julius Cäsar. Sie berichten, dass es sich um eine keltische Priesterschaft handelte, die ihre Blütezeit in Britannien in der Zeit der Eroberung durch die Römer, eventuell aber auch schon in einigen vorausgehenden Jahrhunderten hatte. Zu jener Zeit jedoch standen die Steine von Stonehenge schon seit zweitausend Jahren, und das Denkmal war wahrscheinlich bereits eine Ruine. Ãœberdies ist diesen Berichten ganz klar zu entnehmen, dass die Druiden keine eigenen Tempel bauten, sondern ihre Zeremonien auf Waldlichtungen abhielten. Es mag jedoch sein, dass die Druiden ihr Wissen und die Beobachtung von Naturereignissen – wozu auch Astronomie gehört – von den Erbauern Stonehenges ererbt hatten, und dass dieses Wissen über Jahrhunderte hinweg durch mündliche Ãœberlieferung weitervermittelt worden war. Es wird berichtet, dass die Ãœberlieferungen der Druiden in einer Reihe endloser Verse enthalten waren und ein Novize für das Auswendiglernen bis zu zwanzig Jahre brauchte. Da es für das vorgeschichtliche Britannien keinerlei Nachweise für irgendeine Methode der Aufzeichnung oder des Niederschreibens von Zahlen gibt, wäre dies eine Möglichkeit gewesen, dieses Wissen zu bewahren und von einer Generation an die nächste weiterzugeben.